Der Gemeinderat befasste sich in der Sitzung am 4. Dezember mit dem Stadtwald Lichtenau sowie den Gebühren für Wasser und Abwasser.
Über den Bewirtschaftungsplan für den Lichtenauer Stadtwald für das Jahr 2026 und den Jahresabschluss für das Forstjahr 2024 diskutierte der Gemeinderat über eine Stunde lang. Der Hauptgrund für die intensive Auseinandersetzung lag in einem Statement eines Gemeinderatskollegen, der die in Lichtenau praktizierte Waldwirtschaft massiv kritisierte, verantwortlich für die anhaltend hohen Defizite machte (2024: 105.608 €) und anregte, sich im Austausch mit der Rheinauer Försterin Anhaltspunkte für eine Verbesserung der wirtschaftlichen Situation zu holen. Rheinau erwirtschaftet einen positiven Ertrag in ihrem Wald. Weiterhin stellte er den Antrag, die Beschlussfassung über den Tagesordnungspunkt bis zur Haushaltsklausurtagung des Gemeinderats zu vertagen. Die Fraktion von MiTEiNANDER hat sich, wie andere auch, dem Antrag nicht angeschlossen, weil laut Forstdirektor Erbacher die forstlichen Arbeiten bei keiner Beschlussfassung für die nächsten Monate lahmgelegt wären. Holzeinschlag, Baumbestellungen usw. wären nicht möglich. Natürlich wollen auch wir von MiTEiNANDER das Defizit reduziert sehen und unterstützen eine Auseinandersetzung mit den Rheinauer Zahlen, Fakten und Verantwortlichen. Andererseits können wir die Argumentation von Herr Erbacher und unserem Revierleiter Herrn Volmer nachvollziehen. Hauptursache für die defizitäre Lage sind demnach der Orkan Lothar und das Eschentriebsterben. Diese Ereignisse machten viel Aufforstungs- und Pflegemaßnahmen notwendig, die bis heute hohe Kosten verursachen. Ein wertvoller Bestand an ertragreichen Laubbäumen muss in unserem Wald erst sukzessive aufgebaut werden. Nachteilig ausgewirkt hat sich auch ein mehrfacher Leitungswechsel im Forst, der Defizite in der Infrastruktur (Waldwege und Rückengassen) nach sich zog. Kritisch sehen wir von MiTEiNANDER den Plan, im nächsten Jahr vor allem Weiden und Pappeln anzupflanzen. Dies soll durchgeführt werden, um die Bewirtschaftungskosten gering zu halten, kann aber auf Dauer keine Lösung sein, weil es wichtig ist, Hartlaubbestände aufzubauen. Leider sind diese wesentlich kostenintensiver. Herr Erbacher beruhigte den Gemeinderat damit, in dem er auf den 10 Jahre gültigen Forstwirtschaftsplan verwies. Dieser sieht den Aufbau eines ökologisch und ökonomisch wertvollen Baumbestands vor.
Weiterhin wurde bei dem Tagesordnungspunkt auch die zukünftige Generierung von Ökopunkten bei der Bepflanzung eines Stieleichen- und eines Weichholzauenwalds im Rencheck angesprochen. Ökopunkte, die wir selbst in Lichtenau nicht brauchen, könnten beim Verkauf an andere Kommunen kräftige Erträge erzielen. Andererseits verursacht die Bepflanzung und Pflege zunächst einen nicht unerheblichen Kapitaleinsatz. Eine sinnvolle Strategie für den Umgang mit den Ökopunkten muss in Lichtenau erst noch erarbeitet werden, Für die nächsten Jahre wird ein Konsens zwischen der prekären wirtschaftlichen Situation der Stadt, der Bereitschaft des zu tragenden Defizits und dem Aufbau eines ökologisch und wirtschaftlich erfolgreichen Waldes zu finden sein. Unsere Hoffnung ist, dass die „teuren“ Pflegemaßnahmen im Wald in den nächsten Jahren abnehmen, wir es uns „leisten“ können auch wieder wertvolle Baumarten anzupflanzen und so viel Ertrag generiert wird, um das Defizit abzubauen und eine schwarze Null zu erreichen. Der aktive Revierförster und der Forstdirektor haben dafür unser Vertrauen.
Um nicht nur über unseren Wald zu diskutieren, schlug Ira Wäldele zum Ende der Diskussion vor, dass der Förster vom Gemeinderat und der Bevölkerung ehrenamtlich bei der Waldpflege unterstützt werden könnte. Möglich wäre z.B. die Entfernung von Plastikhülsen, die mit der Zeit an den Baumstämmen einwachsen, oder aber die Entfernung von z.B. Waldreben, die an Bäumen hochwachsen und diese dadurch in ihrem Wachstum beeinträchtigen. Ein konkreter Aufruf dazu könnte im Amtsblatt erfolgen. Möglich wäre die Durchführung z.B. am Tag des Waldes am 13. Februar. Unserem Förster Herr Volmer, welcher die Idee dankend annahm, fallen sicher noch einige Dinge ein, die durch ehrenamtliche Unterstützung erfolgen könnten. Neben dem symbolischen Teil, hätte dies auch einen aktivierenden, zusammenführenden Anteil, der Lichtenau guttäte.
Weitere Themen waren die Gebühren für Wasser und Abwasser.
Sauberes Wasser für jeden Haushalt – das nehmen wir wie eine Selbstverständlichkeit. Aber um das sicherzustellen, braucht es einwandfreie Anlagen und Wasserleitungen, die alle die vorgegebenen Standards erfüllen, also auf dem neuesten technischen Stand sein müssen. Die neue Gebührenkalkulation umfasst die Menge an Frischwasser, die voraussichtlich in den kommenden Jahren gebraucht wird sowie die angefallenen Ausgaben der vergangenen Jahre. Das ergab eine Kostenunterdeckung, die nun durch Erhöhung der Wassergebühr für 2026 und 2027 auf netto 2,88 € je Kubikmeter ausgeglichen werden muss. Auch wenn jeder Haushalt bemüht ist, Wasser zu sparen, bleiben die Kosten, um sauberes Trinkwasser zur Verfügung stellen zu können, gleich. Diese verteilen sich dann auf eine geringere Menge Frischwasser und erhöhen damit den Preis pro Kubikmeter.
Die gesetzlichen Vorgaben zur Beseitigung des Abwassers stellen uns ebenfalls vor große Herausforderungen. Ein neues Regenüberlaufbecken muss gebaut werden, die Kanäle müssen umweltrechtliche Anforderungen erfüllen, im Klärwerk muss sichergestellt sein, dass die Anlage jederzeit betriebsbereit ist. Das alles erfordert stetige Instandhaltung, viele Reparaturen und Sanierungen sowie Erneuerungen. Daraus ergibt sich nun eine neue Schmutzwassergebühr von 4,48 € pro Kubikmeter (vorher 3,54 €) sowie 0,29 € (bisher 0,31 €) für Niederschlagswasser je Quadratmeter versiegelter Fläche. Es fällt uns nicht leicht, den Lichtenauer Bürgerinnen und Bürgern eine Gebührenerhöhung zumuten zu müssen. Andererseits ist der Schutz des Trinkwassers ein hohes Gut und es ist uns sehr wichtig, dass wir das Frischwasser in konstant hoher Qualität liefern können.
Am Ende der Sitzung erkundigten wir uns, wann die 30 km/h-Schilder aufgebaut würden. Laut Bauamt werde das wohl in diesem Jahr nicht mehr erfolgen können. Jedoch seien die Vorbereitungen zur Setzung der Schildermasten bereits im Gange.
Auch die Einführung des Ratsinformationssystem (RIS), mit dem alle Sitzungsunterlagen transparent auf der Homepage der Stadt einsehbar sein werden, ist in Vorbereitung. Vorab wird jetzt die Verwaltung eingearbeitet.
Die Summe, die der Stadt Lichtenau aus dem Sondervermögen des Bundes für Infrastruktur zur Verfügung stehen wird, ist nun bekannt. Lichtenau wird rund 3,26 Mio Euro erhalten. Wir haben um eine Aufstellung gebeten, wie sich die Verwaltung die Aufteilung dieses Betrages vorstellen könnte. Also in welche Maßnahmen investiert werden soll und in welcher zeitlichen Abfolge. Diese Vorlage ist dann für die Diskussion des Haushaltsplanes 2026 und des Investitionsplans für die kommenden Jahre eine wichtige Grundlage. Setzen wir die Pläne zur Erweiterung des Kindergartens Muckenschopf um; wie schnell wird die Orlemann-Kreuzung neu gestaltet; was muss noch erfolgen, um den Anspruch auf Ganztagsbetreuung in der Schule zu gewährleisten; was kann und muss noch gemacht werden, um die bis 2030 geforderte 15%ige Biotopverbundfläche zu erreichen? Viele Maßnahmen, für die das Sondervermögen eingesetzt werden könnte. Hier gilt es sorgfältig abzuwägen.

